IFEG - Institut für experimentelle Glücksforschung
1020 Wien, Lessinggasse 21, Tel. 213 220, Mail: info@laszlo.at, www.optimalchallenge.com
ZVR-Zahl 224 520 939
Kurzbericht vom
IFEG-Symposion: „Glück und Sport“
Freitag, 20. Oktober 2006
14 – 18h
Haus des Sports, Prinz Eugen Straße 12, 1040 Wien
60 Teilnehnmer(innen)
Vorträge:
1. Abg.z.NR Dkfm. Dr. Hannes Bauer, Präsident des IFEG, betonte nach dem Dank an den Gastgeber, die Österreichische Bundes-Sportorganisation, die steigende Bedeutung der Glücksforschung in der Politik. Er berichtete ausführlich über diesbezügliche Befragungen, die er selbst veranlasst hat.
2. Dr. Theodor Zeh, Vizepräsident der Österreichischen Bundes-Sportorganisation (BSO), betonte die Zuständigkeit der BSO für alle Bereiche rund um den Sport und damit auch indirekt für die Glücksforschung. Glück sei ein wesentliches Motiv für das Sportbetreiben.
3. Dr. Herbert Laszlo, Buchautor (Das große Buch vom Glücklichsein, Verlag55plus, Wien 2005), betonte, es sei die vornehmste Aufgabe von Symposien, bisher noch nicht veröffentlichte Forschungsergebnisse erstmals der wissenschaftlichen Gemeinde und der breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Sein Beitrag zum 4. IFEG-Symposion seien zwei neu formulierte Axiome der Glücksforschung.
Auf die Idee, es könne sich um Axiome, also unwidersprochene wissenschaftliche Behauptungen handeln, hätten ihn Kritiker der Glücksforfschung gebracht. Nachdem es diesen nicht gelungen sei, die Theorie der Optimalbelastung zu widerlegen, hätten sie diese kurzerhand zur "Binsenweit" erklärt, die in der Sport- und Arbeitspsychologie längst unwidersprochen gelte. Wenn das so ist, argumentiert Laszlo, dann handle es sich bei der Optimalbelastung nicht um eine Thneorie, sondern um ein Axiom des folgenden Inhaltes:
1. Axiom: Belastung, die der Belastbarkeit entspricht, ist angenehm.
Ebenfalls unwidersprochen ist die Definition des Gegenstandes der experimentellen Glücksforschung als Gemütszustand, dessen Beibehaltung man sich wünscht. Die entsprechende "Binsenweisheit" lautet:
2. Axiom: Was angenehm ist, impliziert den Wunsch nach Fortdauer.
Abschließend ging der Vortragende auf den Sinn der Formulierung von Binsenweishneiten als "Axiome" ein. Am Beispiel des fallenden Apfels, der den Physiker Isaac Newton zu Axiomen inspirierte, erklärte er: Axiome sind keine Forschungsergebnisse, aber feste Steine, auf denen man wissenschaftliche Theorien aufbauen kann. Gerade dieser feste Untergrund habe der Glücksforschung bisher gefehlt.
In der Diskussion wurde eingewendet, dass ein laues Mittelmaß keineswegs glücklich mache. Dies gelte vor allem im Sport.
Der Vortragende antwortete, optimale Belastung sei kein „laues Mittelmaß“ im Sinne des „lauen Behagens“ von Sigmund Freud. Sie liege im Gegenteil an.der Obergrenze der Belastbarkeit und schöpfe diese voll aus.
4. Primarius Dr. Harald Urbanek, Leiter des IPAS - Institut für Prävention und angewandte Sportmedizin, Krankenhaus Krems an der Donau, behandelte die Optimalbelastung aus der Sicht der Sportmedizin. Er bezog sich auf die Belastungskurve der Trainingslehre:
Im Training sinkt die Belastbarkeit durch Ermüdung, aber nach einer passenden Erholungszeit steigt sie über den ursprünglichen Wert hinaus. Das erzeugt den im Sport erwünschten Trainingseffekt. Das Erkennen der optimalen Belastung sei daher kein einmaliger Akt, sondern ein ständiger Vorgang.
Es komme im Training sowohl auf die richtige Belastung, als auch auf die Dauer der Pausen an. Sowohl zu hohe Belastung, als auch zu kurze Pausen führten zu Übertraining und damit zu einem Verlust an Belastbarkeit.
In der Diskussion bestätigte Roland Gusenbauer aus der Sicht der Leichtathletik diese Erkenntnisse, die auch für die Glücksforschnung Bedeutung haben.
5. Mag. Thomas Sonnberger, Buchautor (Die Welt der Emotionen, Gewinn Verlag, Wien 2004), verspricht Glück durch ein "magisches Dreieck" aus Stimulanz, Dominanz und Balance. Der richtige Weg zum Glück sei eine Stop&Go-Strategie aus Aktivität und lockerer Aufmerksamkeit.
6. Kommerzialrat Dr. Hans Peter Schmidtbauer sprach aus der Sicht des Marathonläufers über das Hochgefühl der Läufer, das unter der englischen Bezeichnung "Runner's High" bekannt ist. Sein lebendiger Erfahrungsbericht bestätigte: Laufen in richtiger, auch über den "toten Punkt" hinausgehender Form an der oberen Grenze der Belastbarkeit macht glücklich.
7. Univ.-Prof. Dr. Gabriele Fischer, Leiterin der Drogenambulanz am AKH Wien, warnte vor unerlaubten Abkürzungen auf dem Weg zum Glück, sowohl im Sport, als auch im täglichen Leben. Anhand konkreter Beispiele aus dem Spitzensport zeigte sie, wie Drogen - von Kaffee über Alkohol und Nikotin bis zum Heroin - scheinbar die Belastbarkeit erhöhen, die Menschen aber langfristig schwächen. Der Griff zur Droge entstehe nicht nur aus Suche nach Glück, sondern auch durch Gruppendruck der Kolleginnen und Kollegen.
8. Kary Nowak, Lebensberater (Glücks-Führerschein) erklärte anhand der Lebensgeschichte des Fußballstars Hans Krankl den Zusammenhang zwischen Glück und Sport. Krankl habe die Fähigkeit, als Trainer und Mannschafts-Sportler ein Familiengefühl zu erzeugen, das in seiner Mannschaft zu Optimabelastung führe.
9. Prof. Dipl.-Ing. Ernst Gehmacher ist der Doyen der österreichischen Glücksforschung und regelmäßiger Vortragender aller vier IFEG-Symposien. Das ihm gestellte Thema: „Paradiese der Gegenwart“, behandelte er schriftlich und mündlich anhand von Daten aus der empirischen Sozialforschung, in erster Linie der SWS-Österreich-Umfrage 2005. Dieser Erhebung zufolge sind Befragte mit Tätigkeit „Studium“ mit 54 % „sehr glücklich“, nur mit 10 % unglücklich. Am unteren Ende liegen öffentlich Bedienstete mit einfachen Tätigkeiten. Sie erklären sich zu 50 % als unglücklich und nur zu 15 % als sehr glücklich.
Eine Umfrage „Netzwerk Gesunde Städte“, die in 8 Städten in den Jahren 2004 bis 2006 stellte die „reine Wirkung“ bestimmter Lebensumstände auf das Glück anhand eines „Beta-Koeffizienten“. Dieser beträgt bei Gesundheit .23, beim Sozialkapital .19. Alle anderen Faktoren wie Entfaltungsmöglichkeit, Sicherheit, Bildung, Qualifikation, Wohnen und Finanzen liegen unter diesen Werten.
Glück teilt Gehmacher grob in fünf Kategorien ein:
„Glück ohne Nachhaltigkeit kostet Gesundheit, soziale Einbindung und Leistungsfreude. Falsche Paradiese machen einsam und faul“, erklärt Gehmacher.
Paradies heißt: Gesundheit, Sozialkapital und Selbstentfaltung sind dauerhaft gesichert.
Ein ausführlicher Bericht aufgrund der mitgeschnittenen Vorträge und Diskussionsbeiträge ist in Arbeit.
Dr. Herbert Laszlo
Schriftführer des IFEG